Inhalt

Leitbild und Positionen des Verbandes

Unsere Positionen

Als großer regionaler Träger von sozialen Leistungen muss sich der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. auch mit aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen. Hier finden Sie unsere Positionen und Erwartungen zu zahlreichen wichtigen Handlungsfeldern in der Sozial- und Gesundheitspolitik:

 

Landesgesetzgebung für die Pflege


Nach langem politischen Tauziehen ist im Oktober 2014 eine Überarbeitung der Landesgesetze zur Pflege erfolgt. Zentrales Ziel der Landesregierung: den Quartiersgedanken zu stärken, pflegerische, pflegeergänzende, niedrigschwellige und sonstige Unterstützungs- und Beratungsangebote sollen im gewohnten Lebensumfeld, quasi in "Pantoffelnähe" zur Verfügung stehen. Auch Alternativen zum klassischen Pflegeheim sollen gefördert werden, alternative Wohnformen sollen auch durch Finanzierungsanreize gestärkt werden.

Was wir erwarten
Die nordrhein-westfälische Landesregierung will – wie auch zahlreiche andere Bundesländer – künftig einen Schwerpunkt auf ambulante Strukturen legen. Dabei werden selbstorganisierte und ambulant betreute Wohngemeinschaften gefördert. Diese Versorgungsformen sind jedoch nur für einen geringen Teil der älteren Menschen geeignet. Wenn soziale Strukturen oder finanzielle Möglichkeiten fehlen bzw. eine intensive Pflege notwendig ist, bieten derartige Konzepte keine ausreichenden Versorgungsmöglichkeiten. Gleichzeitig erschweren bereits vollzogene Veränderungen wie die Verringerung der Abschreibungsmöglichkeiten bei Neubauten den Ausbau stationärer Strukturen, die angesichts der zunehmenden Zahl pflegebedürftiger älterer Menschen in Zukunft jedoch dringend benötigt werden.

Wofür wir uns aussprechen
Die stationäre Pflege ist ein zentraler Bestandteil der Versorgungslandschaft. Nicht jeder ältere Mensch möchte in den möglicherweise ungeeigneten eigenen vier Wänden bleiben. Zudem machen viele Alterserscheinungen und Krankheitsbilder eine stationäre Pflege notwendig. Das bedeutet: Ambulante und stationäre Strukturen müssen gleichberechtigt nebeneinander existieren und gleichermaßen ermöglicht oder gefördert werden. Nur das bringt eine echte Wahlfreiheit für Seniorinnen und Senioren mit sich.


Zukunft des Pflegeberufes: Generalistik, Akademisierung und internationale Anerkennung


In Zeiten größer werdender medizinischer Ansprüche an die Pflege, die mit der immer weiter gehenden Verlagerung von bislang ärztlichen Aufgaben auf die Pflegekräfte einhergehen, muss auch der Pflegeberuf weiterentwickelt und verändert werden. Fraglich ist jedoch, ob sich die großen Erwartungen erfüllen werden, die derzeit an die geplante Generalistische Pflegeausbildung gestellt werden. Wenn Kranken- und Altenpflegekräfte gemeinsam ausgebildet werden, wie dies schon in vielen Modellprojekten erfolgt, beispielsweise an der Hochschule für Gesundheit in Bochum, mit der auch Einrichtungen hier bei uns in Herne eng zusammenarbeiten, dann bringt dies sicher einige Vorteile, aber auch nicht zu vernachlässigende  Befürchtungen mit sich.

Was wir erwarten
Immer häufiger werden auch Altenpflegekräfte mit weitreichenden Aufgaben im Bereich der medizinischen Behandlungspflege konfrontiert. Es ist daher sicher sinnvoll, solche Aspekte in der Ausbildung mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Gleichzeitig verbindet sich mit der Generalistischen Pflegeausbildung auch die Hoffnung einer wachsenden öffentlichen Anerkennung für Pflegeberufe, die angesichts zunehmender Personalprobleme in der stationären und vor allem ambulanten Pflege dringend notwendig wären.
Doch auch die Risiken sind nicht zu übersehen: Werden mit der "Generalistik" auch die Eingangsbedingungen für den Pflegeberuf angehoben, dann stärkt dies zwar das Ansehen des Berufsbildes, schließt aber auch viele Menschen aus, die aufgrund von sozialen Fähigkeiten sehr gut für diesen Beruf geeignet wären. Auf diese Pflegekräfte aber können wir in der Zukunft nicht verzichten. Zudem befürchten viele Vertreter insbesondere aus der Praxis der Altenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, dass der Schwerpunkt einer Generalistischen Pflegeausbildung in der Krankenpflege liegen würde und spezifische, zweifellos genauso relevante Ausbildungsinhalte aus den Bereichen in denen sie tätig werden, vermehrt in den Hintergrund gedrängt werden. Wir dürfen auch nicht zulassen, dass nach einer generalistischen Pflegeausbildung "die Guten" im Krankenhaus arbeiten, und die Altenpflege den Ruf einer "zweiten Wahl" bekommt.

Wofür wir uns aussprechen
Die Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung kann nur mit einer gleichzeitigen deutlichen finanziellen und gesellschaftlichen Aufwertung der Altenpflege funktionieren.

 

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff

Der schon von Ulla Schmidt geforderte neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist noch immer nicht in Sicht.

Die Definition der Pflegebedürftigkeit richtet sich nicht nur nach körperlichen Bedarfen, sondern muss auch sonstige Einschränkungen in der selbständigen Lebensführung einbeziehen. Die daran orientierten Leistungen dürfen sich nicht nach Minutenplänen richten, sondern individuelle Konzepte zur Aufrechterhaltung von Teilhabe und einer möglichst selbständigen Lebensführung ermöglichen. Dies setzt eine entsprechend gute finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung voraus.

 

Wohnen im Alter: neue Wohnformen und die Zukunft des Wohnungsmarktes

Die Wohnlandschaft Ruhrgebiet verändert sich und gerade ältere Menschen bleiben in den Zentren der Städte. Hier jedoch fehlen oftmals angemessene Wohnangebote. Der "Zweite Regionale Wohnungsmarktbericht" für das Ruhrgebiet sagt den Rückgang des öffentlich geförderten Wohnungsbestandes voraus. Der damit verbundene Ausfall von Mietpreis- und Belegungsbindungen könne durch Neuförderungen bei weitem nicht ausgeglichen werden. Ob und inwieweit sich der Verlust dieser kommunal(wohnungs-)politischen Steuerungsmöglichkeit durch neue Instrumente ausgleichen lässt, bleibe abzuwarten. Es sei jedoch mit einem weiterhin günstigen Mietniveau zu rechnen.

Was wir erwarten
Gerade diese Kombination von einem hohen Bedarf an gefördertem, altengerechten Wohnraum und den niedrigen Mieten in den Kernstädten unserer Verbandsregion wird Schwierigkeiten mit sich bringen: Barrierefreier Wohnraum ist nur in Einzelfällen und mit öffentlichen Förderungen zu für die Allgemeinheit bezahlbaren Preisen zu realisieren.

Wofür wir uns aussprechen
Die Bevölkerung des Ruhrgebiets wird älter. Wenn möglichst viele Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden sollen, dann müssen viele altengerechte Wohnungen angeboten werden. Verbände, Wohnungsvereine und private Investoren sind dabei jedoch auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Dabei darf sich die Förderfähigkeit von Projekten nicht alleine danach richten, wie viele geförderte Objekte im jeweiligen Stadtteil vorhanden sind, sondern auch, ob es sich dabei um barrierefreien oder altengerechten Wohnraum handelt.

 

Die Rahmenbedingungen: Zukunft von GKV und PKV

 

Die Krankenversicherung ist in Deutschland derzeit ein schwer zu überblickender Markt. Sinnvolle Zusammenschlüsse durch Fusionen stehen einzelnen Kassenpleiten gegenüber, bei denen Versicherte auf andere Krankenkassen verteilt werden müssen. Die derzeit vermutlich vorübergehend bestehenden Milliardenüberschüsse in der Gesetzlichen Krankenversicherung wecken zwar Begehrlichkeiten seitens der Politik, werden aber aller Voraussicht nach benötigt, um die bereits heute absehbaren Löcher in der näheren Zukunft füllen zu können. Gleichzeitig befindet sich das System der privaten Krankenversicherung in "Rückzugsgefechten": Die derzeit bestehende Zweigleisigkeit wird nicht auf Dauer zu halten sein, neue Konzepte werden nicht entwickelt sondern die Privaten Versicherer setzen ausschließlich auf Besitzstandwahrung.


Wofür wir uns aussprechen
Die Pflegeversicherung muss als eigenständiges Instrument bestehen bleiben, da die Pflege andernfalls im großen Konzert der Leistungserbringer in der GKV eine zu geringe und kaum noch hörbare Rolle spielen würde. Das gesamte System von Kranken- und Pflegeversicherung muss zukunftsfest und solidarisch organisiert werden und dabei auf einer breiten Basis stehen, beispielsweise durch Abgaben nicht nur auf Löhne und Gehälter, sondern auch auf andere Einkommensarten. Möglichkeiten von privaten Zusatzabsicherungen können selbstverständlich immer ergänzend aufrecht erhalten werden.

 

Unsere "Kunden": Demographische Entwicklung

 

Bis zum Jahr 2060 werden nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland rund 17 Millionen Einwohner weniger als heute in Deutschland leben. Jeder Dritte wird dann über 65 Jahre alt sein. Jeder Siebte – also rund 10 Millionen Menschen – wird sogar über 80 Jahre alt sein. Altenbericht der Bundesregierung empfiehlt daher, den Begriff der "Pflege" weiter zu fassen und die Gesundheitspolitik an ein langes, aktives Leben anzupassen.

Was wir erwarten
Die Zahlen sind bekannt und unmissverständlich: In den nächsten Jahrzehnten haben wir es mit einer breiten Nachfrage unserer Leistungen in allen Bereichen von Pflege und Betreuung zu tun. Dabei wird sich das Selbstbewusstsein der "Kunden", also der Bewohnerinnen und Bewohner oder Klienten, jedoch verändern. Informierte und vernetzte Seniorinnen und Senioren werden sich ihren Versorgungsmix viel stärker selbst zusammenstellen und bewusster Entscheidungen anhand von Qualitätskriterien treffen. Allerdings wird es auch weiterhin eine große Zahl älterer und auf Hilfe und Unterstützung angewiesener Menschen geben, die nicht über die Ressourcen verfügen, die eigene Versorgung im Alter zu organisieren.

Wofür wir uns aussprechen
Die Träger von Hilfs- und Pflegeangeboten müssen noch stärker auf transparente Information und Beratung der Seniorinnen und Senioren setzen. Während früher die Entscheidung über eine Pflegeheimwahl vom Hausarzt oder dem Sozialdienst des Krankenhauses getroffen wurde, können sich die Kunden der Zukunft aufgrund unterschiedlicher Informationsangebote ein eigenes Bild machen. Das bedeutet aber auch, dass die Bewertungssystematiken, beispielsweise die Transparenzberichte in der Pflege, weiterentwickelt werden müssen in Bezug auf ihre Aussagekraft und ihre Verständlichkeit für die Nutzerinnen und Nutzer.

 

 

Unser Leitbild

 

Der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. ist eine Hilfsorganisation und ein Wohlfahrtsverband. Der Regionalverband ist eine rechtlich und organisatorisch selbständige Gliederung des Arbeiter-Samariter-Bundes in Deutschland und sieht sich der Tradition einer Arbeiterbewegung verpflichtet.

Unser Ziel ist die Daseinsfürsorge und die Daseinsvorsorge für alle Menschen im Verbandsgebiet, die unserer Hilfe oder unserer Begleitung bedürfen. Wir akzeptieren und respektieren die Menschen, unabhängig von ihren politischen, religiösen und weltanschaulichen Orientierungen.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht nicht das Streben nach monetärem Gewinn, sondern die Erfüllung der individuellen Bedürfnisse der Menschen, die wir mit unseren Angeboten und Diensten im Leben begleiten.

Der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. hat es sich neben den allgemeinen Aufgaben einer Hilfsorganisation und eines Wohlfahrtsverbandes zum Ziel gesetzt, regional verwurzelte und spezialisierte Einrichtungen der stationären Altenhilfe zu schaffen und zu betreiben. Besonderes Engagement gilt zudem der Schaffung und dem Ausbau von ambulanten Strukturen, die die Menschen auf ihrem gesamten Lebensweg beraten und begleiten.

Dazu will der Verband nicht jede Struktur selber schaffen. Er unterstützt auch förderungswürdige bestehende Einrichtungen und Dienste anderer Träger mit finanzieller und organisatorischer Hilfe, um Angebote zu vernetzen anstatt Konkurrenzen zu schaffen.

Der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. hat erkannt, dass es für das Erreichen dieser Ziele notwendig ist, neben der traditionellen Verbandsstruktur auch professionelle Ergänzungen aufzubauen, die ein zeitgemäßes Engagement am Markt möglich machen. In den modernen und flachen Hierarchiestrukturen können sich unsere hervorragend ausgebildeten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortentwickeln und entfalten.

Zur Sicherung des eigenen Fortbestandes angesichts eines zunehmenden Wettbewerbs im sozialen Sektor und um Strukturen für bedürftige Menschen weiterhin aufrecht erhalten zu können, muss der Verband effizient und professionell arbeiten. Dabei gilt es auch, die Kostenstruktur ständig zu überwachen und im Rahmen einer sozialen Verbandsführung zu optimieren.

Die so erzielten Überschüsse werden verwendet, um den Bestand der erfolgreichen Einrichtungen und Dienste des Verbandes in der Zukunft zu sichern, neue Betreuungsangebote zu schaffen und um soziale Projekte im Verbandsgebiet zu unterstützen. Dabei wirkt der Verband bisweilen im Stillen, stellt sein Engagement und seine Hilfen für die Menschen des Wirkungsgebietes üblicherweise aber deutlich dar.

Die Politik gestaltet die Rahmenbedingungen für jedes Angebot im sozialen Sektor. Der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. pflegt daher intensiv seine Kontakte zu Politikern und anderen gesellschaftlichen Entscheidungsträgern und bringt seine Expertise an geeigneter Stelle ein. Dabei pflegt der Verband einen kritischen aber zugleich konstruktiven Dialog und stellt sicher, dass die Anregungen und die fachliche Meinung an entscheidender Stelle gehört werden.

Die Verantwortung für die Sicherung von menschenwürdigem Leben und von sozialen Unterstützungsangeboten endet nicht an den Grenzen des Verbandsgebietes! In punktuellen Kontakten und langfristigen Projekten bringt der ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. auch den Menschen in anderen Ländern eine schnelle und wirksame Hilfe. Dabei gilt es, vor allem den schwächsten Mitgliedern der Weltgemeinschaft zu helfen.

Der Wirkungskreis des ASB Regionalverbandes e.V. liegt mitten im friedlich geeinten Europa mit inzwischen 27 Mitgliedsstaaten. Um zukünftige Entwicklungen in den Arbeitsgebieten des Verbandes kennen zu lernen, wegweisende Strukturen anderer Länder zu entdecken und den Aufbau von Hilfsangeboten in schwächer entwickelten Staaten zu fördern ist eine gute und stetig zunehmende Vernetzung des Verbandes mit gleich gesinnten Trägern und Anbietern in ganz Europa unabdingbar.

Weitere Infos

Der Regionalverband

Der Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. gehört mit mehr als 3000 Mitgliedern zu den großen Sozialverbänden im Ruhrgebiet im Westen Deutschlands. weiterlesen...

ASB-Bücher

ASB-BücherBücher des ASB in Herne und Gelsenkirchen.

Jetzt neu: Das Ruhrgebietslesebuch "Das kann sich heute keiner mehr vorstellen".

mehr Informationen zu den Büchern